Monatsrückblick November

Monatsrückblick November

Es ist Winter im Allgäu – richtig Winter. Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch: weiß verschneit, Sonnenschein, nur die Skilifte haben noch Pause und öffnen erst im Dezember wieder. Vermutlich läuft es wie jedes Jahr: Wenn die Saison endlich startet, ist der meiste Schnee weg und kommt erst dann zurück, wenn die letzten Feiertage vorbei sind. Eine Ausnahme war der Corona-Lockdown: Schnee ohne Ende – und kein Tourist weit und breit. Und ja, es ist auch kalt. Richtig kalt. Mangels Garage geht es jetzt wieder mit dem Scheibenkratzen los. Ich habe mir dafür einen kleinen Helfer gegönnt: einen elektrischen Eiskratzer. Und ihn auch gleich getestet, wie man hier im Video sehen kann.

Kleine Rettungseinsätze

Diesen Monat hatte ich wenige fest geplante Termine, dafür umso mehr spontane „Kannst du vielleicht grad noch…“-Einsätze. Drei Pressetexte, die ganz schnell fertig werden mussten, weil Termine drängten. Ein Interview, das ich übernommen habe, weil eine Kollegin keine Zeit hatte. Unterlagen versenden, die beim Gegenüber verschwunden waren und noch einmal gebraucht wurden. Ich mag das – dieses Arbeiten unter Zeitdruck. Seit Jahren begleitet mich deshalb ein Calvin-&-Hobbes-Comic zuverlässig durch den Arbeitsalltag und bringt mich regelmäßig zum Schmunzeln, weil er so wahr ist.

Ein Nachmittag für mich und meine Kamera

Im November habe ich tatsächlich getan, was ich mir in den arbeitsreichen Monaten August und September vorgenommen hatte: mir auch mal eine Auszeit zu gönnen. Ein großes Plus an der Freiberuflichkeit als Journalistin ist, sich die Zeit frei einteilen zu können. Also habe ich freitags einen Nachmittag am Hopfensee verbracht. Natürlich nicht ohne eine selbstgestellte Aufgabe: Fotos machen. Was ich beim Fotografieren gelernt habe: Schöne Bilder entstehen nicht nebenbei. Man kann durchaus spazieren und fotografieren, aber eines davon muss Vorrang haben. War der Himmel am Tag zuvor noch strahlend blau gewesen, zeigte er sich jetzt eher milchig. Anfangs fand ich das ärgerlich, dann war es ein Glücksfall: Die Sonne blendete nicht, sondern verlieh der Landschaft eine ganz besondere Stimmung.

Der November und seine stillen Gedenktage

Allerseelen, Totensonntag, Volkstrauertag – im November ist der Tod besonders präsent. Da mein Papa vor zwei Jahren am Totensonntag gestorben ist, war der Monat voller Erinnerungen: an seine Krebserkrankung, an seinen kurzen Aufenthalt hier im Pflegeheim, an den Abschied und daran, wie schön es war, ihn bis zum Schluss begleiten zu dürfen. Und auch Gedanken an meine Mama, die im Herbst 2020 gestorben ist, kamen wieder. Als „Papakind“ war mir mein Vater immer näher, und die Demenzerkrankung meiner Mutter, die sich über zehn Jahre hinzog, hat mich manchmal überfordert. Aber auch bei ihr war ich in den letzten Tagen da und durfte mich verabschieden. Was jetzt da ist: sehr viel Liebe und Dankbarkeit für meine Eltern, die mir so viel Schönes mitgegeben und mich immer unterstützt haben – egal, welchen Weg ich gegangen bin.

Monatsrückblick Oktober

Monatsrückblick Oktober

Nach zwei eher ruhigen Monaten kam im Oktober wieder Leben in meinen Kalender. So viel, dass der Monatsrückblick mit einigen Tagen Verspätung erscheint.

TASPO Awards in Berlin
Ein Höhepunkt war die Taspo-Award-Verleihung im Grand Hyatt. Ich durfte das Innenraumbegrünungs-Netzwerk Element Green begleiten, das in der Kategorie „Beste Kooperation des Jahres“ nominiert war. Seit diesem Jahr übernehme ich den Social-Media-Auftritt des Netzwerks – ein Projekt, das mir viel Freude macht: inspirierende Projekte, abwechslungsreiche Themen und vor allem wunderbare Menschen, die sich mit Herz und Fachwissen dafür einsetzen, Innenräume lebendig zu machen.

Den Living Tree – das Kooperationsprojekt aus der Bewerbung – habe mich mir nun endlich einmal vor Ort angesehen, nachdem ich so viel darüber geschrieben habe. Wir haben damit beim Taspo Award den zweiten Platz erreicht – ein schöner Erfolg. Und ein wichtiges Signal für ein Thema, das in der Grünen Branche noch zu selten im Fokus steht: Grün in Innenräumen ist kein „nice to have“, sondern trägt spürbar zum Wohlbefinden bei.

Besuch in der Bundeshauptstadt

Der Termin brachte mich in die Bundeshauptstadt. Schon am Bahnhof war klar: Großstadt und ich sind ziemlich weit auseinander. Nach ein paar Stunden habe ich mich sehr nach zuhause gesehnt. Nach Bergen, Ruhe und dem Tempo hier. Nesselwang ist der erste Ort, an dem ich mich wirklich zu Hause fühle. Ich mag es, Menschen auf der Straße zu kennen, spontan ins Gespräch zu kommen und mich eingebunden zu fühlen. Hier lebe ich wirklich und wohne nicht nur.

Ausflug nach München

Früher hätte ich Ausflüge mit Ortsvereinen belächelt – heute bin ich mit dabei. Im Oktober hatten die „Blumenfreunde Nesselwang“ und die Bäuerinnen einen Tag in München organisiert: Besichtigung von Schloss Nymphenburg und ein Besuch im Botanischen Garten, und das bei bestem Herbstwetter. Viele der wunderbaren Sommerstauden waren schon am Verblühen. Es hat für mich einen ganz eigenen Charme, wenn Pflanzen sich verabschieden. Einige trotzen noch den kühlen Nächten und leuchten noch einmal um so prächtiger, andere ziehen sich langsam zurück und sehen auch dabei wunderschön aus.

Politisches Kabarett

Ebenfalls im Oktober auf dem Programm: Claus von Wagner im Kornhaus Kempten mit seinem aktuellen Bühnenstück „Equilibrium“. Wobei das mit dem „Kabarett“ so eine Sache ist – oft weiß man gar nicht, ob man lacht, weil es komisch ist, oder weil es so bitter wahr ist, was er über Wirtschafts- und Finanzpolitik erzählt. Trotz allem: Lachen ist besser als resignieren – und auf jeden Fall besser, als rechts zu wählen. Auch wenn es im Moment manchmal gar nicht so leichtfällt, das Kreuzchen auf dem Wahlzettel mit Überzeugung zu setzen.

Beweglich bleiben

Außerdem habe ich eine Woche in der Klinik Überruh (Isny) verbracht – ein Präventionsprogramm der Deutschen Rentenversicherung („RV Fit“), das Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung verbindet – und das nachhaltig motiviert: Eine Woche stationäre Betreuung, drei Monate digitale Begleitung durch einen Trainer, drei weitere Monate App – und am Ende ein Wiedereinstiegstermin zur Erfolgskontrolle. Kann übrigens von allen beantragt werden, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, also auch einigen Freiberuflern.

Zum Schluss ein Plädoyer an die Strumpfhosenindustrie
Zum Abschluss aus gegebenem Anlass (der festlichen Garderobe zum anfänglich erwähnten Taspo-Award) noch ein ganz anderes Thema: Wann endlich werden Feinstrumpfhosen in der eigentlichen Größe dort enden, wo sie sollen – und nicht irgendwo kurz über dem Knie? Warum muss man grundsätzlich zwei Größen größer kaufen? Und können wir bitte kurz eins klarstellen: Sogenannte „Shape-Strumpfhosen“ sind nichts anderes als elegante Thrombose-Strümpfe!

Monatsrückblick September 2025

Monatsrückblick September 2025

Septembermomente

Noch einmal Sommer: Das letzte richtig warme Wochenende lockt mich in die Berge. Weit ist der Weg dorthin zum Glück nicht: zehn Minuten mit dem Fahrrad und ich kann starten, diesmal das erste steile Stück mit der Seilbahn. Neben mir im Lift ein Pärchen, das sich über die sonnigen Tage seines Urlaubs freut. Angesichts eines oft verregneten Sommers ein Glücksgriff bei der Urlaubplanung.

Ein festes Ziel habe ich nicht – eher eine Idee, wo es hingehen soll. Erst einmal weiter hinauf, dann Richtung Österreich wieder hinab. Die erste Hütte auf dem Weg hat schon geschlossen, volle Getränkekästen vor der Tür und eine Kassenbox laden dennoch zum Rasten ein. Auch hier ergeben sich kurze Gespräche mit anderen Wanderern. Ich mag diese Begegnungen: Man teilt eine Bank, ein paar Worte, prostet sich zu und geht dann weiter, jeder in seine Richtung aber doch ein bisschen bereichert.

Auch im Alltag habe ich mir in diesem Monat mehr Raum für mich geschaffen. Mehr draußen sein, mehr Spaziergänge, mehr Durchatmen, bevor es an den Schreibtisch geht. Ich habe wieder Zeit für mein Hobby gefunden, das Zeichnen von Tierporträts mit Pastellstiften. Die Wahl eines Motivs, das mich anspricht, dauert manchmal fast genauso lange wie die Zeichnung selbst. Diesmal war es ein flauschiges Entenküken auf dem Wasser. Eine Herausforderung, denn hier gehört der „Hintergrund“ zwingend dazu. Die Spiegelung des Kükens macht das Bild erst komplett. Ich habe es gewagt – und zu Ende gebracht.

Draußen beginnt langsam der Herbst. Morgens liegt schon Nebel auf den Wiesen. Die Pflanzen färben sich braun, Spinnen weben zwischen den Gräsern ihre Netze. Die Sommerferien sind vorbei – es ist merklich ruhiger geworden im Ort. Nun kommen noch all diejenigen zum Urlauben ins Allgäu, die keine schulpflichtigen Kinder haben. Der Lesekreis in unserer wunderbaren Bücherstube hat wieder begonnen. Etwa neunmal im Jahr treffen wir uns – neun bis zehn leidenschaftliche Leserinnen und Leser im Alter von 45 bis 85 – und sprechen über ein Buch, das beim vorherigen Termin ausgewählt wurde.

Im Juli hatten wir uns für „Oben Erde, unten Himmel“ von Milena Michiko Flašar entschieden – ein wunderbares Buch über eine junge Frau in Japan, Single mit Hamster, die sich in ihrem Alleinsein eingerichtet hat. Bei einem neuen Job – dem Reinigen von Wohnungen, in denen Menschen alleine und längere Zeit unbemerkt von anderen gestorben sind – findet sie nicht nur zu sich selbst, sondern auch zu einer Wahlfamilie. Dieses Bild hat mich berührt. Es passt zu dieser Jahreszeit, in der man merkt, wie wichtig Bindung und Zuwendung sind, gerade wenn vieles vergeht.

Vor zwei Jahren begann für mich und meinen Vater in dieser Zeit sein letztes Kapitel. Nach einer Krebsdiagnose im Sommer und einer Augenoperation hatten wir beide uns für einen Platz im Pflegeheim entschieden. Das Universum hat viele Fäden gezogen und wir fanden binnen zwei Tagen einen Platz im Heim in Nesselwang. Uns blieben damals noch zwei intensive, liebevolle und schöne gemeinsame Monate. In diesem Wochen denke ich oft daran, dass es damals nicht nur das Ende des Sommers war, sondern auch der Beginn des Abschieds von meinem Papa.

Der September war in diesem Jahr für mich ein Monat der Übergänge: Wärme und Kühle, Begegnung und Rückzug, Gegenwart und Erinnerung. Er hat mir Arbeit, aber auch Ruhe geschenkt: Spaziergänge, Zeichnen, Bergluft. Jetzt kann er kommen, der Oktober, mit spürbar kürzeren Tagen, klarer Luft – und vermutlich mit Winterreifen.

Monatsrückblick August 2025

Monatsrückblick August 2025

Arbeit, nichts als Arbeit

August ist der Monat der Urlaubsbilder. In Storys, Feeds, im Whats App-Status – überall posten meine Kontakte Fotos von Füßen im Sand, dem Blick aufs Meer oder von einem Berggipfel, leckeren Drinks und neuen Eindrücken auf ihren Reisen. Bei mir: Fehlanzeige. Mein August bestand aus Telefonaten, Tippen am Schreibtisch und Wochenenddiensten im Kino. Die einzigen Höhenmeter verdanke ich der Lage meines Wohnorts im Allgäu.  

Ich liebe meinen Job. Ich darf zuhören, Fragen stellen, Geschichten sammeln und daraus Texte machen. Die Telefonate führten mich quer durch Deutschland und immer wieder zu neuen Entdeckungen und Erkenntnissen. Was persönliche Erlebnisse und Eindrücke angeht, blieb der August blass. Mein iphone enthält ein paar neue Katzenbilder, ein paar Schnappschüsse von meinem Arbeitsweg und von meinen sporadischen Frühsportrunden – aber nichts, was ich in eine spannende Collage packen könnte.

Der Nebenjob im Kino brachte ein bisschen Abwechslung, weil ich dort Menschen begegne, im Gegensatz zu meinem Solo-Büro in Nesselwang. Da ich im Kino immer noch „der Lehrling“ bin, war es zwar bunt, aber auch anstrengend. Zumindest passierte dort etwas – wenn auch mehr auf der Leinwand als in meinem eigenen Leben.

Ich wohne dort, wo andere Urlaub machen, habe Berge, Seen und Wiesen direkt vor der Haustür. Im August habe ich sie kaum wahrgenommen. Eigentlich schade. Dass ich meine Arbeit liebe, ist einerseits ein Privileg. Andererseits muss ich aufpassen, dass sie mich nicht verschluckt. Der August ging rasend schnell vorbei und mir ist davon kaum etwas in Erinnerung. Das Highlight des Monats: eine selbst reparierte Waschmaschine.

Auch wenn mich Urlaub schon öfter mehr gestresst hat als mein Beruf: arbeitsfreie Zeit, die man nicht müde auf dem Sofa verbringt, ist trotzdem wichtig. Mein Fazit für diesen August: Arbeit darf nicht mehr das Einzige sein, was bleibt, wenn ich auf meinen Monat zurückschaue. Für den September nehme ich mir deshalb vor, mehr Momente zu sammeln, die im Gedächtnis bleiben. Mehr kleine Abenteuer, mehr Berge, Seen und Wiesen, mehr Erlebnisse – allein und gemeinsam.

Monatsrückblick Juli 2025

Monatsrückblick Juli 2025

Jede Menge grüne Geschichte(n), Popcorn im Nebenjob und ein überraschender Roller-Deal: Im Juli gab’s was zu feiern, nämlich 25 Jahre Journalismus mit Schwerpunkt Garten- und Landschaftsbau. Seit einem Vierteljahrhundert schreibe, fotografiere und texte ich für die Grüne Branche. Für die Pflanzen sind andere zuständig – ich interessiere mich für die Menschen, die Prozesse und die Geschichten dahinter. Wer sich dafür interessiert, wie ich zur Grünen Branche kam: hier gehts zum Video.

Mit meinem langjährigen Partner Thomas Pichler (Grafik) sind viele kreative Projekte entstanden: von der GaLaBau-Kundenzeitschrift „GartenVisionen“ über Broschüren, Flyer, Logos bis hin zu Werbepostkarten. Mit dem Landschaftsgärtner Jörg Biegert entstand ein Gartenpflegebuch, und ganz nebenbei durfte ich mich auch als Buchautorin eines Zen-Garten-Buchs verwirklichen. Kurz: Ich bin stolz, Teil dieser lebendigen, vielfältigen Branche zu sein.

Nebenjob mit Popcorn & Perspektivwechsel

Und weil ich offenbar nicht ausgelastet bin, arbeite ich seit Juli auch im Alpenfilmtheater Füssen. Mal an der Theke, mal als – ja, tatsächlich noch so genannt – Platzanweiserin. Nach 30 Jahren Print weiß ich, wie Fachtexte rundlaufen müssen. Aber an der Kinokasse ist plötzlich alles neu: Technik, Tempo, Teamarbeit.

Was ich daraus mitnehme? Geduld mit mir selbst – und die Erkenntnis: Anfängerin sein fühlt sich ungewohnt an.

Kleine Mopeds und große Zufälle

Nach einer Kino-Schicht am Sonntag wollte ich in Nesselwang nur schnell tanken. Mein alter Peugeot-Roller dümpelte seit Jahren mit leerer Batterie im Schuppen. Als ich an der Tanksäule mit einem Mann ins Gespräch kam, stellte sich heraus: Er sucht genau so einen Roller für seine Freundin. Zehn Minuten später standen wir am Schuppen und der Roller wechselte für 300 € die Besitzerin. Zufall? Vielleicht. Timing? Ganz sicher.

Kreative Bühne für Verborgene Talente

Auch als Künstlerin war ich im Juli aktiv. Bei der Nesselwanger Ausstellung „Verborgene Talente“ konnte ich – wie 2024 – meine Tierporträts in Pastell zeigen. Ich liebe diese Ausstellung, weil sie für alle offen ist: jung oder alt, Handwerkerin oder Akademiker, Aquarell oder Holzskulptur – hier zählt nur die Freude am Gestalten.

Wer mag, schaut sich hier den kleinen Film zur Ausstellung an.


Und sonst?

  • Es tut sich was in der Kreativküche: Gemeinsam mit Grafiker Thomas Pichler arbeite ich an einem neuen Printprodukt speziell für die Grüne Branche – individualisierbar, hochwertig, als Geschenk für gute Kunden gedacht. Wer wissen will, was da kommt: Am besten meinen Social-Media-Kanälen folgen.
  • Mein tierisches Backoffice-Team bekommt im August eine eigene Mini-Serie auf Instagram & Co.
  • Neue Blogideen rund um grüne Kommunikation, GaLaBau-Fachjournalismus und meine Arbeit als Texterin für grüne Themen sind in Vorbereitung.

(Fotos: Giu Vincente/Unsplash (Beitragsbild), Bru-nO/Pixabay (Popcorn))

Monatsrückblick Juni 2025

Monatsrückblick Juni 2025

Zwei Städtetrips, ein Jubiläum und eine Bergwanderung – der Juni war vollgepackt mit netten Begegnungen, freudigen Ereignissen und einem Abschied zum richtigen Zeitpunkt.

Mein Juni 2025 begann mit einem Jubiläum: 20 Jahre Selbständigkeit als freiberufliche Journalistin. Ich erinnere mich noch genau: im April 2005 habe ich meinem Papa gesagt, dass ich meine Festanstellung in einem Redaktionsbüro gekündigt habe. Ich glaube, er hatte ungefähr ein Jahrzehnt Bauchschmerzen, ob das auch alles gut geht. Ja, es ist gut gegangen – und das bleibt auch so. Das Jubiläum hat er leider nicht mehr miterlebt, aber zumindest 18 Jahre erfolgreiche Freiberuflichkeit.

Ein Highlight im Juni war eine Geschäftsreise nach Hamburg. Dort fand die Mitgliederversammlung von Element Green statt, einem Netzwerk von Innenraumbegrünern, das seit diesem Jahr zu meinen Kunden gehört. Darüber freue ich mich übrigens sehr. Zum einen, weil die Firmen spannende, kreative Projekte realisieren, beispielsweise den Living Tree im Radisson Hotel in Berlin. Zum anderen, weil es ganz besondere Menschen sind – wie viele, die mit Grün ihren Lebensunterhalt verdienen. Und wie bei allen Veranstaltungen, die von Gärtnern organisiert werden, gab es ein tolles (und natürlich auch grünes) Rahmenprogramm. Am ersten Abend bekamen wir eine Führung durch den Hamburger Bunker, am zweiten Abend gab es eine Hafenrundfahrt mit Besuch im Miniaturwunderland.

Im Juni fand in Eisenach die Freilandmesse demopark statt. Und ich habe – wie jedes Jahr – festgestellt, dass Messebesuche nicht zu meinen Lieblingsterminen gehören. Große Menschenmengen an einem Ort finde ich herausfordernd. Ich lebe in einem relativ überschaubaren Ort im Allgäu und habe auf Messen nach einer halben Stunde meistens schon mehr Leute gesehen als sonst in einem Monat. Was ich allerdings mag: Kollegen wiedersehen und mich mit Firmenvertretern, die ich sonst nur per Mail kenne, live treffen.

Ein Kollege hat die Freilandmesse in Eisenach treffend als 30er-Messe beschrieben: entweder 30 Grad Hitze oder 30 Stundenkilometer Wind oder 30 Liter Regen auf den Quadratmeter. Was er vergessen hat: 30 Kilometer Stau auf den Zufahrtswegen zur Messe. Die Anfahrt dauerte jeden Tag zwei Stunden – das ist wohl das Los, wenn man nicht schon um 8 Uhr auf die Messe fährt. Und in diesem Jahr legte der Wind sogar noch einen Zahn zu: am zweiten Messetag wurde die demopark um 15 Uhr wegen Sturmwarnung sogar geräumt – siehe Video. Ganz so schlimm wie befürchtet wurde es dann allerdings doch nicht.

Nach drei Tagen Messe habe ich mir einen freien Tag gegönnt – mit einer besonderen Mission. Im November 2023 ist mein Papa gestorben. Ich habe auf Nachfrage ein kleines Tütchen mit seiner Asche bekommen. Im April habe ich einen Teil davon im Schönbuch verstreut – seinem Lieblingswald, in dem er gerne und viel spazieren gegangen ist, als er noch in Weil im Schönbuch gewohnt hat.

Seine Urlaube hat er fast immer in Nesselwang verbracht und sich die dortige Bergwelt erwandert. Also habe ich das schöne Wetter genutzt und bin mit dem anderen Teil der Asche auf den Edelsberg gewandert. Jetzt ist Papa für immer an seinen Lieblingsorten. 2024 konnte ich auf diese Weise noch nicht Abschied nehmen – in diesem Jahr fühlt sich das sehr passend und sehr friedlich an. Und ich glaube, es hätte ihm gefallen.