Der Monatsrückblick nervt mich gerade. Weil er mir vor Augen führt, wie erschreckend unspektakulär mein Leben ist. Monatsrückblicke leben von Ereignissen. Von Besonderem, von Ausgefallenem, von Ungewöhnlichem. Spannende Termine, tolle Begegnungen, neue Erlebnisse.
Und dann ist da hinter dem Haus seit mehr als einem Jahr eine riesige Baustelle, auf der nichts passiert. Gefällte Bäume liegen herum, ein paar Stücke Wiese sind noch da, ansonsten viel Boden und Kies. Und mein „Ereignis“ besteht darin, dort fast jeden Abend mit unserer Katzenbande entlangzulaufen. Mit ihnen zu spielen, mich auf einen Baumstumpf zu setzen und ihnen dabei zuzuschauen, wie alles spannend ist: jeder Grashalm, der wackelt. Jede Fliege. Jeder Vogel. Jedes Geräusch. Die Katzen wälzen sich mit Wonne auf dem Boden, rennen die Erdhügel hinauf und hinunter, erkunden das Gebüsch – oder setzen sich einfach zu mir und schauen mit mir in die Gegend.



Ich verbringe viel Zeit mit Dingen, die man vermutlich als banal bezeichnen würde. Spazierengehen auf zwei, drei bekannten Wegen. Eine Runde durch den Ort. Ein bisschen Fahrrad fahren – keine großen Touren, sondern zum 30. Mal dieselbe Seenrunde. Irgendwo sitzen und gucken. Oder hören. Gerade das Hören war diesen Monat plötzlich sehr präsent. Der April fing noch einmal mit Schnee an. Liegen blieb er nicht, aber beim Tauen wurde es laut: Es tropfte, es plätscherte, es rann, es sickerte, es gluckerte, es rauschte. Der Übergang in den Frühling war nicht zu sehen, sondern zu hören. Und ich fand es faszinierend, die vielen verschiedenen Geräusche einzufangen.
Vielleicht ist das das eigentlich Merkwürdige an diesem Monatsrückblick: Dass wenig passiert ist – und trotzdem einiges da war.
Über Ostern hatte ich Zeit zu zeichnen. Bis es wirklich mit dem Zeichnen losgeht, braucht es jedes Mal mehr Geduld, als ich eigentlich habe: Motiv finden (was manchmal länger dauert als das Zeichnen selbst), Papier aussuchen, Umrisse anlegen, Stifte zusammenstellen, alles aufbauen. Und dann sitzt man da – und durchläuft beim Zeichnen tagelang eine ganze Reihe von Gefühlszuständen: Vorfreude, Neugier, Anspannung, Zweifel, Motivation, Begeisterung, Frustration, Erleichterung – je nachdem, wo man gerade im Bild steckt.

Was mir dieser Monat auch wieder gezeigt hat: Manchmal reichen kleine Auszeiten nicht, sondern der Körper möchte mehr. Er nimmt sich letztlich auf Umwegen, was er braucht – und ist dabei durchaus erfinderisch.
Bei mir war es eine Magen-Darm-Grippe. Von 100 ging es innerhalb weniger Stunden auf nahezu null. In einem Augenblick noch am Schreibtisch, im nächsten auf der Toilette – und dann fast eine Woche komplett raus. Am dritten Tag dachte ich, es müsste doch wieder gehen. Tat es aber nicht. Es geht nicht schneller, nur weil man es gerne hätte. Und wenn man es trotzdem versucht, zahlt man direkt wieder drauf. Der Körper ist da wenig kompromissbereit.
Ein Nebeneffekt davon: Ich habe mit dem Rauchen aufgehört. Das hat 2013 schon einmal für zehn Jahre geklappt – jetzt hoffentlich wieder.
