von Susanne Wannags | 21. Okt. 2025 | textprojekte, Vorgestellt
22. Oktober ist Welttag des Stotterns. Warum ich das erwähne? Weil ich als Kind und Jugendliche selbst betroffen war. Buchstaben wie D, G und B am Satzanfang, gefolgt von einem Vokal, ließen mich stocken und pressen – mein Gesichtsausdruck war dementsprechend angestrengt. Ich kniff die Augen zusammen, und mein Mund versuchte verzweifelt, das Wort herauszupressen.
In der Schule hatte ich Bauchweh, wenn es Lesenoten gab und wir in alphabetischer Reihenfolge aufgerufen wurden. Mit einem W am Anfang des Nachnamens kann einem da schon etwas länger schlecht sein. Oft ging es dann doch relativ gut – einmal im Lesefluss, lief vieles. Stücke mit verteilten Rollen waren allerdings der Horror. Gerade hatte ich einen Satz geschafft, musste ich schon wieder anhalten – und starrte auf den nächsten Satzanfang.
Eine weitere Erinnerung aus meiner Jugendzeit spielte sich beim Fotografen ab. Meine Eltern hatten mich zum Bilderabholen geschickt (ja, damals wurden sie noch entwickelt). Die Verkäuferin fragte nach meinem Nachnamen – und nichts ging. Nach vielen erfolglosen „WWWWWWW“ stampfte ich mit dem Fuß auf und presste schließlich „Wannags“ hervor. Kein Wunder, dass man als stotternder Mensch schnell in die Kategorie „geistiges Defizit“ geschoben wird, wenn es noch nicht mal mit dem eigenen Nachnamen klappt.
Übrigens: Wenn ich richtig sauer war, konnte ich jedes Wort – egal mit welchen Konsonanten und Vokalen – unfallfrei aussprechen.
Nun kann man nicht ständig wütend durch die Welt laufen. So erfand ich beim Sprechen diverse Strategien. Eine davon war das Ausweichen auf alternative Begriffe. In der Muttersprache ging das problemlos, bei Fremdsprachen mit begrenztem Vokabular wurde es schon schwieriger. Ich liebe die englische Sprache, aber ich hasse es bis heute, dass alle Fragesätze mit „Do“ oder „Did“ anfangen. Ich meldete mich daher kaum im Fremdsprachenunterricht – saß aber meistens ganz vorne. Dort kann man hineinmurmeln, ohne die anderen zu stören, und die Lehrer merken trotzdem, dass man etwas weiß.
Irgendwann begann ich damit, vor jedes Wort ein N zu setzen. Ich erinnere mich an den entgeisterten Ausdruck unseres örtlichen Metzgers, als ich „Nhalbes nKilo nBratwurst nbitte“ bestellte. Ich ließ es also wieder bleiben.
Heute kann ich darüber locker schreiben. Damals war es schlimm. Lange Zeit vermied ich es, irgendwo anzurufen. Umso erstaunlicher, dass ich heute einen Beruf habe, in dem es ohne Sprechen nicht geht. Als Journalistin muss ich telefonieren, auf Termine gehen, Fragen stellen.
Ich weiß nicht, ob es die logopädischen Sprechübungen waren, die halfen – oder ob es sich einfach „verwachsen“ hat. Heute kommt es nur noch sehr selten vor, dass ich stottere – und oft ist es ein Hinweis darauf, dass irgendetwas nicht stimmt. Mittlerweile ist Stottern für mich ein Zeichen geworden, dass ich besser auf mich achten darf: weniger Stress, mehr Auszeiten, viel Schlaf, viel Bewegung.
Und immerhin befinde ich mich in bester Gesellschaft: Albert Einstein, Isaac Newton, König Georg VI., Marilyn Monroe, Bruce Willis und Rowan Atkinson – sie alle sollen gestottert haben.
von Susanne Wannags | 7. Aug. 2025 | textprojekte, Vorgestellt
Als ich mich als freiberufliche Journalistin für die Grüne Branche selbstständig machte, dachte ich vor allem an Recherche, Fachartikel und daran, wie ich mit Schreiben die nächsten Jahre Geld verdienen soll – aber nicht an Katzen.
Zunächst war da nur mein heimischer Schreibtisch mit sehr viel Ruhe und ohne Kollegen und Kolleginnen. Und dann: regelmäßiger Besuch aus der Nachbarwohnung – auf vier Pfoten, mit großen Augen und viel Fell.
Katzenfan war ich schon immer. Trotzdem hatte ich mir nie ein eigenes Haustier angeschafft – ich war schließlich mit dem Satz groß geworden: „Mit Hund oder Katze kannst du nie in den Urlaub fahren!“ Wellensittiche waren das höchste der Gefühle. Aber nun war da diese Katze. Sie kam, sah – und schlief. Täglich, am liebsten auf der Couch, die sich im selben Zimmer befand wie mein Schreibtisch. Und sie störte kein bisschen, im Gegenteil.
Eines Abends siegte die Neugier. Ich klingelte bei den Nachbarn: „Woher habt ihr eigentlich eure Mieze?“ Die Antwort: aus dem Tierheim. Und noch mehr: „Wir bringen sie morgen zurück – sie versteht sich nicht mit unserer anderen Katze.“
Fünf Minuten später hatte ich mehr als nur eine Antwort: Ich hatte eine Katze, ein geliehenes Katzenklo, zwei Näpfe und ein Starterpaket Futter. Mein Homeoffice hatte ein neues Teammitglied – die erste flauschige Mitarbeiterin war eingestellt. Unbefristet, versteht sich.
Minou war Seelentrösterin, Kollegin und Inspirationsquelle in einem. Heute lebt sie leider nicht mehr, aber ihre Nachfolge ist gesichert: Inzwischen besteht mein tierisches Backoffice-Team aus vier pelzigen Persönlichkeiten, jede mit einem ganz eigenen Spezialgebiet.
Wer sie sind und was sie können? Das erfahrt ihr hier im Profil: Zum tierischen Team von 4c-textprojekte
von Susanne Wannags | 22. Juli 2025 | textprojekte, Vorgestellt
Mein Büro war nie ein typischer Arbeitsraum sondern ist für mich auch ein Rückzugsort und ein Zuhause – farbenfroh, persönlich und alles andere als nüchtern.
Ich gehöre zu den „Höhlenmenschen“, die sich in kleinen Wohnungen mit kleinen Zimmern wohl fühlen. Jeder Quadratmeter ist potenzielle Stellfläche, die Wände überlebensnotwendiger Platz für Hängeschränke und Regale. Mein absoluter Favorit unter den Möbeln ist der Raumteiler, weil er zusätzliche Ablagemöglichkeiten bringt. Deko auf Kommoden? Fehlanzeige – das würde wertvolle Nutzfläche in Anspruch nehmen.
Ich mag es farbig und kuschelig – und das merkt man auch meinem Büro an (das sich nicht in meiner Wohnung befindet). Mit Luftmatratze könnte ich dort sogar übernachten. Decke und Kissen? Liegen bereit. Wasserkocher, Kaffeemaschine, Kühlschrank und Toaster – alles da.
Dass ich dank meiner Selbständigkeit aus meinem Arbeitplatz eine Wohlfühlplatz machen kann, empfinde ich als großes Privileg.
Mein Büro ist nicht nur ein Ort zum Arbeiten, sondern auch ein Ort für das, was mir wichtig ist. Zwei Regale sind gefüllt mit Andenken an meine Eltern – Erinnerungen, die sonst im Keller geblieben wären. Die Glaskugeln, die meine Mama so liebte. Die Bücher meines Papas, zwei davon noch aus seiner Jugend. Den Brockhaus hat er damals in kleinen Raten abbezahlt, sogar noch in den ersten Ehejahren, wie meine Mama oft erzählte. Schön, dass ich diese Geschichten jetzt beinahe täglich um mich habe.
von Susanne Wannags | 10. Juni 2025 | textprojekte, Vorgestellt
Schreiben? Mochte ich schon immer. Zumindest in der Schule. Aufsätze waren – bis auf Gedichtinterpretationen – mein Ding. Trotzdem: Der Gedanke, später mal beruflich zu schreiben, kam mir nicht ernsthaft in den Sinn. Das war etwas für andere Leute. Und außerhalb des Unterrichts? Gab’s höchstens die Schülerzeitung. Wenn es überhaupt eine gab, war das ein Tummelplatz für politisch Überzeugte. Ich war weder überzeugt noch Teil davon.
Ein kurzer Journalisten-Traum beim Schulausflug
Einmal, bei einem Schulausflug nach München – ich war damals noch auf der Realschule in Baden-Württemberg – machte ich mich auf die Suche nach den Redaktionsräumen der Zeitschrift „Mädchen“, die ich rauf und runter gelesen habe. Für einen kurzen Moment habe ich mir vorgestellt, dort zu arbeiten. In München. In dieser Redaktion. Aber weil Tagträumerei nicht so mein Ding ist, war der Gedanke auch gleich wieder weg.
Dann kamen ein paar schulische Umwege – am Ende stand die fachgebundene Hochschulreife. 1990 begann ich mein Studium der Sozioökonomie in Augsburg. Und irgendwann hatte ich einen Freund, der bei der Tageszeitung schrieb und in einem Nachwuchsjournalisten-Verband war. Da gab es tolle Termine und spannende Veranstaltungen. Und zack – da war sie wieder, die Lust aufs Schreiben. Denn: Wer in den Verband wollte, musste schreiben. Also richtig. Nur sagen traute ich mich das nicht.
Ein bisschen Mut – und Fleisch als Thema für den ersten Artikel
Bis ich irgendwann zum Hörer griff. Ich rief meinen Freund an, sagte (nach einem schnellen „Hallo“):
„Ich will auch mal was schreiben!“ – klick. Aufgelegt. Panik.
Aber statt Lachen kam ein Termin: Eine Veranstaltung der Metzgerinnung in Holzkirchen für die Deutsche Handwerkszeitung. Thema: rund und oval gestempeltes EU-Fleisch oder in damals korrektem Beamtendeutsch: die EG-Richtlinien.
Meine zwei größten Ängste:
1. Sitze ich im richtigen Waggon der S-Bahn (die wurde irgendwo auf der Strecke geteilt)?
2. Werde ich Edmund Stoiber erkennen, wenn er vor mir steht?
Mein Einstieg in den Journalismus: ein Dankeschön!
Der Artikel, der aus diesem Abenteuer entstand, war mein Einstieg in den Journalismus. Und ich bin Matthias Lange von Redaktion42 bis heute dankbar, dass er mir damals diesen Termin überlassen hat – statt in schallendes Gelächter auszubrechen.
Ach, und das Volontariat beim Holzmann-Verlag nach dem Studium?
Das verdanke ich dem Altpapiercontainer. Aber das ist eine andere Geschichte…
von Susanne Wannags | 2. Juni 2025 | textprojekte, Vorgestellt
Am 1. Juni 2005 habe ich den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt – ungeplant, aber im Rückblick genau richtig. Heute, 20 Jahre später, arbeite ich immer noch mit Begeisterung als freiberufliche Journalistin – vor allem für Unternehmen und Verlage aus der Grünen Branche.
Wie alles begann
Damals arbeitete ich in einem Redaktionsbüro – und saß plötzlich mitten in einem persönlichen Kleinkrieg zwischen zwei Projektpartnern, einer davon mein Chef. Kommunikation? Fehlanzeige. Stattdessen: Drama. Irgendwann war klar – hier geht’s nicht weiter. Also habe ich gekündigt.
Was mich damals am meisten verblüfft hat: Fünf Jahre lang hieß es, ich sei unentbehrlich. Zwei Wochen Urlaub am Stück waren Luxus, Überstunden selbstverständlich, und auch mit Fieber saß ich am Schreibtisch. Ich mochte meinen Job – wirklich! Aber als ich dann meine Kündigung auf den Tisch legte, wurde ich innerhalb von fünf Minuten ersetzt. So viel zum Thema „unersetzlich“. Ein Aha-Erlebnis auf dem Weg zur Selbstständigkeit – Lektion gelernt.
Der Start ins Unbekannte
Einen Masterplan hatte ich nicht. Der Bayerische Journalistenverband empfahl mir nur, mich arbeitslos zu melden. Von Gründungszuschuss oder Übergangsgeld wusste dort offenbar niemand. Zum Glück stolperte ich zufällig im Internet genau einen Tag vor dem Arbeitslosenantrag über diese Möglichkeit. Zack – beim Amt geregelt. Lief.
Ein befreundeter BWL-Professor half mir mit dem Businessplan, denn auch ein Sozioökonomie-Studium mit 50 % BWL schützt nicht vor praktischer Ahnungslosigkeit. Aber: Buchhaltung und Steuern konnte ich dank meiner kaufmännischen Ausbildung – und das war und ist Gold wert.
Mein Start als freie Journalistin
Wenige Tage nach der Kündigung klingelte das Telefon: Eine Kollegin vom Ulmer Verlag fragte, ob ich freiberuflich für ihre grünen Zeitschriften schreiben wolle. Äh … ja, bitte!
Dann waren da Unternehmer aus der grünen Branche, die mir erste PR-Aufträge gaben. Menschen, denen ich bei Netzwerktreffen begegnete, und die mich weiterempfohlen haben. In meinem Volontariat und bei meinen Redaktionsstellen hatte ich nicht nur das Schreiben gelernt, sondern auch, wie man ganze Magazine produziert – vom Konzept über Bildbearbeitung bis Layout. Dieses Know-how sprach sich herum und bald durfte ich ganze Verlagsproduktionen betreuen. Das tue ich bis heute.
GartenVisionen: Ein Kundenmagazin für GaLaBau-Betriebe
2009 entstand gemeinsam mit einem Grafiker die Idee zu den GartenVisionen – einem Kundenmagazin für GaLaBau-Betriebe. 2010 erschien mit Unterstützung des VGL Niedersachsen-Bremen die erste Ausgabe. Auch dieses Projekt lebt von vielen glücklichen Fügungen und tollen Menschen. Wer mitgezählt hat: 15 Jahre GartenVisionen – und damit ein weiteres Jubiläum!
Kreative Projekte für die Grüne Branche
In zwei Jahrzehnten Selbstständigkeit ist eine bunte Mischung an Projekten entstanden: Gartenfotografie, Fachartikel, Bücher, Online-Marketing und PR-Beratung – vor allem für Unternehmen aus der Grünen Branche. Ich darf nach wie vor das tun, was ich liebe – und das auf meine Weise.
Ich bin dankbar für alle Menschen, die mich auf diesem Weg begleitet haben – viele von ihnen tun das bis heute. Ohne euch wäre vieles nicht möglich gewesen. Ich freue mich auf alles, was noch kommt!