Schon früh wusste ich: Mein Beruf muss mit Schreiben zu tun haben. Doch der Weg dahin war alles andere als geradlinig. Ich habe mich beworben – bei Tageszeitungen, bei Journalistenschulen, bei Fachverlagen. Überall Absagen. Nach einem Ausflug in die PR-Welt (siehe Blogbeitrag) bekam ich schließlich ein Volontariat beim Holzmann Verlag in Bad Wörishofen. Meine Stationen für je ein halbes Jahr: das handwerk magazin, die Fleischerei, eine Zeitschrift namens Geldinstitute und Versicherungsbetriebe sowie die Deutsche Handwerkszeitung.

Hier habe ich meine Liebe zum Handwerk entdeckt. Damals schien es ein Wermutstropfen, nicht bei einer großen Tages- oder Wochenzeitung gelandet zu sein – heute weiß ich: Es war ein Glücksfall.

Nach dem Volontariat folgte ein kurzer Ausflug zu einer Hochschulzeitung. Dann bin ich in der Grünen Branche angekommen – und geblieben. Seit 25 Jahren erlebe ich hier eine Mischung aus Unternehmertum, Bodenständigkeit und Kreativität, die mich bis heute begeistert. Ich mag die Branche, ich mag die Menschen dort, ich mag diese Mischung.

Heute bin ich unendlich froh, dass ich im Fachjournalismus tätig bin. Es gibt einen Spruch im Journalismus „Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“. Studien bestätigen: Negatives verbreitet sich schneller, prägt unser Weltbild stärker – und verkauft sich besser. Das hängt unter anderem mit unserer „menschlichen Programmierung“ zusammen: Es ist überlebenswichtig, Bedrohungen rechtzeitig wahrzunehmen.

Hätte es mit der Journalistenschule, der Anstellung bei einer Tageszeitung oder einem politischen Magazin geklappt, würde ich mir heute vielleicht auch reißerische Schlagzeilen überlegen. Dass es anders gekommen ist, dafür bin ich sehr dankbar. Zum einen habe ich als freiberufliche Journalistin das große Privileg, meine Themen selbst wählen zu dürfen.

Ich liebe es, Unternehmen zu porträtieren, ich finde es spannend, etwas über Materialien zu recherchieren, ich finde alles wichtig, was mit Kommunikation und Mitarbeiterführung zu tun hat. Das Allerwichtigste: Ich muss nicht ständig nach Negativem suchen. Ich darf darüber schreiben, was wächst, was gelingt, was Unternehmen besonders macht, welche Entwicklungen es gibt, um Produkte ressourcenschonender, haltbarer, besser recycelbar zu machen und wie Zusammenarbeit gelingt.

Ich bin der festen Überzeugung, dass der Fokus auf das, was funktioniert, mein persönliches Weltbild prägt. Was ich heute weiß: Ich wäre keine gute investigative Journalistin geworden. Ich bin – immer noch – davon überzeugt, dass die meisten Menschen ihr Bestes geben bzw. das tun, was ihnen im Moment gerade möglich ist. Vielleicht bin ich einfach eine Optimistin. Aber genau das möchte ich bleiben – als Journalistin und als Mensch.

Foto: Mouse23/Pixabay.com

*Links zu Studien und Infos
https://www.nature.com/articles/s41562-023-01538-4#Tab3
https://www.hu-berlin.de/de/pr/nachrichten/september-2021/nr-21921