Unterwegs und mittendrin

Der Oktober begann und endete mit Terminen in Berlin – und bestand zwischendurch aus zweieinhalb Wochen in Litauen und Lettland – mit jeder Menge Fotos, interessanten beruflichen Begegnungen und einer ziemlich besonderen familiären Entdeckung.

Mit dem Schiff in den Urlaub

Berlin war der Ausgangspunkt meiner Reise. Mit der Fähre ging es dann von Kiel nach Klaipėda in Litauen. Rechne ich die Anreise aus dem Allgäu mit, dauert der Weg von zu Hause zum Ziel fast zwei Tage. Allerdings: Mit dem Schiff übers Meer zu fahren, statt möglichst schnell am Ziel anzukommen, hatte einen ganz eigenen Reiz – und ist in der Nachsaison auch ziemlich entspannt.

Klaipėda, das frühere Memel, war kein zufällig gewähltes Reiseziel. Mein Uropa Fritz Wannags hatte dort eine Zeitlang gelebt und gearbeitet. Und vielleicht kommt auch mein Nachname aus dem Baltikum. Im Litauischen gibt es das Wort Vanagas für Habicht. Vanags ist das entsprechende lettische Wort. Und Vanagai/Wannaggen ist ein historischer Ortsname in der Nähe von Klaipėda, der offenbar auf den Personennamen Vanagas zurückgeht.

Ich wusste, in welcher Straße mein Uropa gewohnt hatte und ich hatte ein paar Informationen über sein Leben. Im Museum für Kleinlitauen stieß ich dann tatsächlich auf einen „Gautschbrief“ aus dem Jahr 1929. Diese „Urkunde“ wurde frisch gebackenen Druckergesellen nach ihrer Druckertaufe überreicht. Und darauf stand seine Unterschrift: F. Wannags.

Das war schon ein besonderer Moment, wenn da plötzlich nicht mehr nur eine Geschichte ist, sondern eine eigenhändige Unterschrift. Genau wissen kann ich es nicht, aber die Verbindung von Druckgewerbe und der Erinnerung meines Vaters an einen Opa mit Papierwarengeschäft lässt es doch sehr wahrscheinlich werden.

Mit der Kamera sieht man mehr

Von Klaipėda ging es weiter nach Riga und später wieder zurück an die litauische Küste. Ich war zum ersten Mal im Baltikum unterwegs, hatte keine minutiöse Reiseplanung und wollte vor allem eines: schauen, entdecken und fotografieren.

Fotografieren gehört für mich zu den schönsten Dingen überhaupt. Ich kann mich dabei vollkommen verlieren. Nicht, weil ich meine Umgebung durch die Kamera ausblende. Im Gegenteil: Ich schaue erst recht hin. Auf Fassaden, Farben, Strukturen und Licht. Auf Kleinigkeiten, an denen ich sonst vielleicht vorbeigelaufen wäre. Oft entdecke ich ein Motiv ganz spontan, entscheide ziemlich schnell, dass ich es fotografieren möchte, und fange dann an zu experimentieren. Eine andere Perspektive, ein anderer Ausschnitt, ein Schritt zur Seite – und schon verändert sich das Bild.

Das Schöne daran ist, dass ich dabei überhaupt kein Ziel verfolgen muss. Die Bilder müssen nicht veröffentlicht werden, keinen Auftrag erfüllen und niemandem gefallen. Ich fotografiere einfach, weil ich Freude daran habe. Und Motive gab es in Litauen und Lettland reichlich – die Mediathek meines Smartphones ist um etwa 1.400 Bilder angewachsen.

Urlaub machen und trotzdem arbeiten

Vor der Reise hatte ich mich gefragt, ob sich vielleicht auch ein berufliches Thema finden ließe. Nicht erst einen Auftrag suchen und dann dorthin reisen, sondern genau umgekehrt: Ich bin ohnehin dort, also schaue ich, was es Interessantes gibt. Das ist übrigens das Schöne an meinem Beruf: Gärten, Parks, Außenanlagen gibt es überall auf der Welt, genauso wie Menschen, die sie gestalten, bauen und pflegen.

In Riga wurde daraus ein Besuch bei Rīgas meži, dem kommunalen Unternehmen, das sich unter anderem um die städtischen Grünanlagen und Bäume kümmert. Ich war mit zwei Mitarbeiterinnen im Uzvaras-Park unterwegs, habe mir die Baumpflege in der Innenstadt angesehen und viel darüber erfahren, wie Grünflächen in Riga gepflegt und weiterentwickelt werden. Daraus entsteht nun ein Beitrag für den Flächenmanager.

Solche Termine mag ich. Ich lerne Menschen kennen und bekomme Einblicke in ihre Arbeit. Ich erfahre eine Menge über die Stadt und darüber, wie Dinge andernorts organisiert werden.Das fühlt sich für mich nicht nach Arbeit an. Jedenfalls nicht während der Gespräche und Besichtigungen.

Und dann noch einmal Berlin

Am 19. Oktober war ich wieder zu Hause. Viel Zeit zum Sortieren der Eindrücke blieb allerdings nicht. Es warteten Texte, Termine und all die Dinge, die während einer längeren Reise liegen bleiben.

Zum Monatsende ging es dann noch einmal nach Berlin, diesmal zur Verleihung der TASPO Awards. Ein schöner Anlass, Kollegen und Bekannte aus der grünen Branche zu treffen und Gespräche zu führen, für die im Arbeitsalltag oft zu wenig Zeit bleibt.

Was mir von diesem Monat besonders in Erinnerung bleibt, ist die Freude am Unterwegssein – auch wenn es manchmal anstrengend war, sich überall immer wieder zurechtzufinden. Ich habe Dinge entdeckt, mit denen ich vorher nicht gerechnet hatte. Ich habe neue Orte kennengelernt und mir Zeit genommen, genauer hinzuschauen. Und festgestellt, dass Urlaub und Arbeit wunderbar zusammenpassen können – wenn ich selbst entscheide, wann das eine aufhört und das andere anfängt.